Kommentar

Hier kommentiere ich aktuelle Schulthemen und berichte von Diskussionsveranstaltungen, Konferenzen und Vorträgen.

Eine Frage der Erziehung?

Schule hat die Aufgabe, aus Kindern Schüler/innen zu machen. Traditionell heißt das, dass sie lernen sollen, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen, ruhig zu sitzen, nicht unaufgefordert zu sprechen, ihre Sachen in Ordnung zu halten, die Arbeitsaufträge der Lehrer/innen auszuführen, sich den Leistungsüberprüfungen zu stellen, ihre Beurteilungen zu akzeptieren etc.

Schüler/innen versuchen zumeist, diesen Vorgaben zu entsprechen. Allerdings zeigen sie sich davon selten begeistert. Sie können sich nicht als gleichwertige Partner/innen sehen, die auf Augenhöhe Verhaltensvereinbarungen schließen. In aller Regel sind es unhinterfragbare Vorgaben, denen sie zu folgen haben. Schüler/innen reduzieren ihre Gefolgschaft infolgedessen häufig auf jenes Maß, dass den Verbleib an der Schule (gerade noch) sicherstellt. Sie machen „Dienst nach Vorschrift“.

Angesichts dieser Zumutungen ziehen sich manche Schüler/innen aber auch zurück, versuchen sich dem Zugriff zu entziehen, wenden sich lieber unterhaltsameren Dingen (Handy!) zu. Mitunter bleiben sie dem Unterricht gänzlich fern. Andere leisten Widerstand vor Ort. Sie machen (auch) den Lehrer/innen das Schulleben schwer. Verbündete werden gesucht. Ein Machtkampf schwelt. In Ausnahmefällen wird er offen ausgetragen. Für die Schüler/innen sind beide Strategien fast immer gleichbedeutend mit schlechten Beurteilungen. Der Druck erhöht sich. Ihr Schulerfolg steht zusehends mehr auf dem Spiel.

Eltern geraten dabei häufig zwischen die Fronten. Die Lehrer/innen erwarten, dass sie ihre Erziehungsziele teilen und die Schule bei deren Durchsetzung unterstützen. Ihre Kinder hoffen, dass sie sich gemeinsam mit ihnen zur Wehr setzen.

Auf welche Seite sollen sich Eltern schlagen? Wen enttäuschen? Wann sollen sie wie einschreiten? Ist es ihre Pflicht, für die Einhaltung der Regeln in der Schule Sorge zu tragen? Muss man von Anbeginn den Druck auf die Kinder hoch halten, um Fluchttendenzen im Keim zu ersticken? Sollen Sie bereits in Vorwegnahme drohender Probleme den Handykonsum ihrer Kinder beschränken, langes Aufbleiben unterbinden? Oder gibt es nicht doch eine Schule, in der sich alle diese Probleme in Luft auflösen?

Sollten Sie diese oder ähnliche Fragen beschäftigen, unterstütze ich Sie gerne mit meinem Beratungsangebot.

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Is TÜRKIS the new black?

Gesamtschule? Nein, Danke!

Auch die türkise ÖVP will an der Trennung in Gymnasien und Mittel- bzw. Hauptschulen nach vier Jahre gemeinsamer Volksschulzeit festhalten. Das verwundert nicht, andernfalls würde Kurz Kernwählerschaften der ÖVP verprellen. Außerdem kann man sich angesichts des Status quo durchaus fragen, ob die Investition in eine derart massive Umgestaltung des Bildungssystems einen entsprechenden Output zeigen würde bzw. ob die Ressourcen aufgebracht werden können, um die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen produktiv zu machen.

Die Argumentation mit der das Festhalten an der Differenzierung in Gymnasien und Mittel- bzw. Hauptschulen im Parteiprogramm der Liste Kurz begründet wird, ist allerdings – gelinde gesagt – abenteuerlich. Im Zentrum steht das Argument, dass jedes Kind unterschiedliche Anlagen, Begabungen, Stärken und Interessen hat und es dementsprechend unterschiedliche Schulformen braucht. Dieses Argument mag auf den ersten „Blick“ plausibel klingen, hakt jedoch in zweifacher Weise.

Was, dabei ausgespart bleibt, ist (1) die Frage, wie es dazu kommt, dass Kinder unterschiedliche Stärken, Interessen, Fähigkeiten – übrigens ebenso wie Defizite, Schwächen etc. – zeigen. Indem die Argumentation mit „Anlagen und Begabungen“ anhebt, suggeriert sie eine einfache Antwort: sie sind ihnen angeboren. Hier klingt eine Streitfrage an, die sogar schon älter als jene der Gesamtschule ist. Ich gehe darauf im Detail nicht ein. Nur so viel: Selbst jene, die an eine dahingehende Vererbung glauben, wissen in aller Regel, dass es sich dabei bestenfalls um Potentiale handeln kann, die einer „Anregung“ bedürfen, um sich überhaupt zeigen und entwickeln zu können. Eine sprachliche Begabung (so es sie gibt) könnte sich in einem Umfeld, in dem nie gesprochen wird, gar nicht zeigen. Ein Interesse an Literatur könnte sich ohne Konfrontation mit Geschriebenem gar nicht entwickeln etc. D.h. die eigentliche Frage ist, wie viel an Anregung es braucht, bis sich Anlagen und Begabungen (so es sie gibt) als Stärken, Fähigkeiten und Interessen überhaupt zeigen können. Fest steht, dass die Anregung und Förderung in aller Regel im familiären Rahmen (manche meinen sogar schon pränatal) beginnen. Kindergarten und Schule sind eigens dafür geschaffenen gesellschaftlichen Institutionen. Hier sollen Kinder ihre Potentiale entfalten und erkennen können. Vier Jahre Volksschulzeit (im Anschluss an den Kindergarten) reichen jedoch hierfür nicht aus. Zu diesem Zeitpunkt ist nicht seriös vorhersagbar, welche Potentiale in Kindern schlummern und welche weiteren Schulkarrieren ihnen möglich wären. Das ist wissenschaftlich weitestgehend unumstritten und seit Jahrzehnten bekannt. Die Unterschiede, die sich zu diesem Zeitpunkt zeigen, tragen in erster Linie den Herkunftsfamilien bzw. dem häuslichen Umfeld – verstanden als mehr oder weniger großes Anregungs- und Förderungsmilieu – Rechnung, nicht jedoch vermeintlichen Anlagen, Begabungen oder ähnlichem. Deshalb haben auch beinah alle westeuropäischen Länder von einer derart frühen Differenzierung in unterschiedlichen Schultypen Abstand genommen. Länder, die die Gesamtschule haben, verzichten aber nicht auf eine Differenzierung. Sie beginnt nur später.
 
Die Argumentation fußt (2) auf der Behauptung, dass die Schulwahl, nicht zuletzt auch jene zwischen Mittel- bzw. Hauptschule und AHS (Gymnasium), den Interessen bzw. Stärken der Heranwachsenden Rechnung trägt. Aus meiner mehrjährigen Erfahrung als Schul-Profiler kann ich sagen, dass das nur selten der Fall ist. Und zwar aus einem einfachen Grund: Die Interessen und Stärken haben sich weder den Heranwachsenden noch den Eltern nach vier Jahren Volksschule offenbart. Dass ist auch der Grund, warum sich die meisten Eltern für AHS-Standorte entscheiden, die mehrere Richtungen (humanistischer, mathematisch-naturwissenschaftlich oder wirtschaftskundlicher Zweig) anbieten. Eine dahingehende Entscheidung wird nach Möglichkeit vertagt. Sie muss erst nach weiteren zwei Jahren getroffen werden. Auch bei der Wahl der Mittelschule stehen zumeist andere Motive (wie Schulklima, Schülerklientel, pädagogisches Konzept, Nachmittagsbetreuung etc.) im Vordergrund. Zu guter Letzt: Der überdurchschnittlich große Andrang an Gymnasien in Wien, ist kein Abbild der Stärken und Interessen Wiener Kinder (Warum sollten in Wien so viele interessiertere oder kompetentere Jugendliche heranwachsen als in Restösterreich?), sondern in erster Linie der Befürchtung ihrer Eltern, dass sie in Mittelschulen kein lernförderliches Umfeld vorfinden.

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LAIS-tung wird gefordert!

In den letzten Tagen mehrten sich äußerst kritische Berichte in diversen Medien (ORF; Wiener Zeitung) über die sogenannten „LAIS-Schulen“, die ausgehend von den Gründer/innen in Klagenfurt (nicht nur) in Österreich immer mehr Verbreitung finden. Auch in Wien wird in Bälde eine davon inspirierte Einrichtung vom 6. in den 3. Bezirk übersiedeln. „LAIS-Schulen“ nutzen die gesetzliche Möglichkeit der Abmeldung „schulpflichtiger“ Kinder und Jugendlicher zum häuslichen Unterricht, indem sie für diese das Lernen in Lerngruppen organisieren und am Ende des Schuljahres in Rahmen von Externistenprüfungen den Lernerfolg bestätigen lassen.

Verfolgt man die Berichterstattung, so macht sich durchaus Beklemmung breit. Große Geschütze werden aufgefahren: Am Werke seien Anhänger/innen einer „völkisch-esoterischen“ Sekte, Staatsverweiger/innen etc., die an seriöser, öffentlich anerkannter Bildung Ihrer Kinder kein Interesse haben – und dadurch letztlich das Kindeswohl gefährden. Die Kritisierten kommen dabei kaum zu Wort – und wenn, dann werden sie eher „vorgeführt“.

Als Schulprofiler versuche ich seit einiger Zeit, mich auch hinsichtlich der „LAIS-Schulen“ kundiger zu machen. Mein vorläufiges Fazit: Fest steht, dass die pädagogischen Grundsätze und Methoden äußerst ungewöhnlich sind, teils mehr als fragwürdig und zweifellos über weite Strecken esoterisch – jedenfalls im Sinne von: „nur für Eingeweihte einsichtig, [geistig] zugänglich“ (vgl. Duden). Allerdings kann man diesen Vorwurf nicht nur den meisten reformpädagogischen Ansätzen machen, sondern (nicht zuletzt dadurch) auch vielen Lehrer/innen an öffentlichen Schulen Nähe zu Esoterik konstatieren. Erstaunlich ist viel mehr, die Euphorie und der Brustton der Überzeugung mit denen die Gründer/innen und ihre Gefolgschaft zu Werke gehen. Wieder einmal scheint der „heilige Gral“ aller schulpädagogischen Fragen gefunden. Für Zweifel, oder leisere Töne ist (in Gründungszeiten?) offenbar kein Platz!

Die Eltern, die sich dafür interessieren, pauschal in die Nähe von „verblendeten Staatsverweiger/innen“ zu rücken, die das Kindeswohl gefährden etc., halte ich jedoch für weit überzogen. (Dass derartige Initiativen auch für diese Klientel reizvoll sein können, kann ich nicht ausschließen. Hier ist sicher Vorsicht geboten! ABER) Was die Eltern (zumindest in Wien) vielmehr eint, ist eine grundsätzliche Kritik an der Regelschule und das Bestreben ihren Kindern eine Leben und Lernen möglichst ohne Zwang und Prüfungsstress, dafür in Kooperation mit anderen zu ermöglichen. Dass Eltern dieses durchaus noble Motiv in einer Initiative verwirklicht sehen, die im 21. Jahrhundert von sich behauptet, dass sie (und nur sie!?) dem wahren, weil natürlichen und – neuerdings – nativen Lernen frönt und dadurch beinah Wunder wirken kann, finde ich allerdings schon mehr als irritierend.

Ich kann Eltern eine „LAIS-Schule“ derzeit nicht empfehlen. Dies aber nicht deshalb, weil dort das BÖSE am Werke ist, sondern weil es noch kaum Erfahrungswerte gibt, die ein halbwegs abgesichertes Urteil über Ihr Gelingen oder Misslingen ermöglichen. Es ist derzeit auch nicht absehbar, ob diese Initiativen Bestand haben werden. In vielerlei Hinsicht somit eher eine „Glaubensfrage“.

Zum Problem wird diese Medien-Kampagne jedenfalls für die Prüfungsschulen (und damit auch für alle anderen Schulen ohne Öffentlichkeitsrecht). Dort werden die aufgeschreckten Behörden den Hebel ansetzen und dadurch auch seit langem etablierte, durchaus sinnvolle (Über-)Prüfungsarrangements gefährden.

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Kein Platz an der „Wunschschule“!?

Alljährlich trifft es immer wieder einige Familien: Sie erhalten in den nächsten Tagen eine Verständigung, dass es leider keinen Platz an der Schule gibt, in der sie ihr Kind eingeschrieben haben.

Was tun?

  1. Ruhe bewahren! (Es gibt immer Handlungsmöglichkeiten.)

  2. Versuchen Sie, Ihre - durchaus verständliche - Enttäuschung ihrem Kind möglichst wenig spüren zu lassen.

  3. Geben Sie der Schule, die Ihnen stattdessen angeboten wird, eine Chance.
    Immer wieder stellen Eltern nach einiger Zeit fest, dass es ganz gut passt.
    (Dass es an dieser Schule noch freie Plätze gibt, heißt nicht automatisch, dass niemand dorthin wollte. Mitunter werden aufgrund großer Nachfrage – dort wo es möglich ist – zusätzliche Klassen eröffnet und freie Plätze aufgefüllt.

  4. Vermitteln Sie Ihrem Kind Zuversicht!

  5. Sollten Sie nach einiger (Schul)Zeit feststellen, dass die Schule gar nicht passt, werden Sie auch unterjährig einen Schulwechsel durchsetzen!

ABER: Wenn Sie mit dem Angebot aus nachvollziehbaren Gründen (z.B. keine Ganztagesbetreuung, unzumutbarer Schulweg etc.) gar nicht können, dann zeigen Sie sich gegenüber dem Bezirksschulinspektor/Stadtschulrat durchaus standhaft.

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Themaverfehlung?

Am 5. Oktober 2016 wurde auf derStandard.at ein Interview mit einer Bildungswissenschafterin veröffentlicht, die zu dem Thema "Offener Unterricht" forscht(e) (nachzulesen hier). Die Forschung hat offenbar recht interessante Ergebnisse zutage gefördert. So ist gut gemachter "Offener Unterricht" offenbar in der Lage, soziale Benachteiligungen ein Stück weit abzubauen. Das finde ich einen sehr interessanten Befund, insbesondere deshalb, weil "Offener Unterricht" ja oft in Verdacht steht, nicht nur von den Unterschieden der Schüler/innen auszugehen, sondern diese Unterschiede sogar zu vergrößern. Weiters dürften die Forschungsarbeiten auch Ansätze dafür liefern, woran man einen guten "Offenen Unterricht" festmachen kann etc. So weit so gut.

Leider war die Kernaussage des Artikels, die sich in der Überschrift widerspiegelt, eine ganz andere: "Guter Fronatlunterricht ist eine super Unterrichtsform". Wie bitte?? Es wird zu "Offenem Unterricht" geforscht und das kommt dabei raus!? Haben hier die persönlichen Präferenzen der Autorin, der Forscherin oder beider ihren Niederschlag gefunden? Es wird aber noch "besser". Wenn schon schlechten Unterricht, dann bitte schlechten "Frontalunterricht" und nicht schlechten "Offenen Unterricht", weil letzterer soll dann doch noch schlechter sein. Also auf Nummer sicher gehen und jedenfalls "Frontalunterricht" wählen? Schon eine etwas eigenartige Argumentation.

Worauf man sich bei allen persönlichen Vorlieben vielleicht verständigen könnte: Es gibt guten und weniger guten "Offenen Unterricht" & und es gibt guten & weniger guten "Frontalunterricht". Und gesucht wird die jeweils gute Variante! Warum sollten wir uns mit dem weniger schlechten zufrieden geben wollen?

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Schul-Profiler in den Medien

Rund um den 5. Oktober, dem Tag der Wiener Schulen, wurden diverse Medien auf mein Unterstützungsangebot aufmerksam und haben über den Schul-Profiler ;-) berichtet:

In der U-Bahnzeitung HEUTE  erschien am 23. September ein Artikel unter dem Titel "Profiler sucht die perfekte Schule" (nachzulesen hier)
- obwohl ich genau das eigentlich nicht tue, denn die perfekte Schule gibt es in aller Regel nicht.

In der PRESSE erschien am 28. September ein Artikel unter dem Titel "Schulwahl: Wenn den Schulsucher rufen" (nachzulesen hier).

Am 4. Oktober hatte ich einen Auftritt im Frühstücksfernsehen des ServusTV (für kurze Zeit noch hier nachzusehen - beginnend bei 02:45).

Ebenfalls am 5. Oktober wurde auf ORF Wien Heute ein Beitrag über den Schul-Profiler gesendet (für kurze Zeit noch hier nachzusehen).

Schließlich wurde am Abend des 5. Oktobers auch ein Artikel auf ORF.at hochgestellt (nachzulesen hier). In letzterem wurde geschrieben, dass ich derzeit auch als Lehrer in einer Montessorischule arbeite. Keine Ahnung warum!!

Wie auch immer - so kann es weitergehen!

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ORF-Beitrag: Vermehrter Zulauf zu Privatschulen

Am 8.9. wurde im ORF-Magazin ECO ein Bericht zum Thema Privatschulen ausgestrahlt. (nachzuschauen hier) Die Kernaussagen sind, (1) dass sich immer mehr Eltern aus teilweise sehr unterschiedlichen Motiven für eine Privatschule entscheiden und (2) die Nachfrage nach Privatschulen weit größer ist als das Angebot. Hier bedarf es einer wichtigen Ergänzung. Ein zentrales Wahlmotiv blieb im Beitrag völlig ausgeklammert: Immer mehr Eltern wählen eine Privatschule aus Sorge, an der eigentlich gewünschten öffentlichen Schule keinen Platz zu bekommen. Denn auch für viele öffentliche Schulen gilt, dass es mehr Interessenten als vorhandene Plätze gibt. Die fehlende Zusage der öffentlichen Wunschschule treibt sie in die Arme von Privatschulen.

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Viel Zeit & Kopfzerbrechen ersparen!

In der Sonntagsausgabe der Presse erschien unter dem Titel „Die wichtigste Wahl? Wie Eltern eine Schule aussuchen“ pünktlich zum Schulanfang ein Artikel zur Frage der Auswahl einer passenden Volksschule. (nachzulesen hier) Darin werden vier Familien und die jeweils gewählte Volksschule porträtiert. Mithilfe dieser vier Familien wird der Bogen gespannt: (1) von einer öffentlichen Campusschule mit höchst motiviertem und innovationsfreudigem Personal, (2) über eine katholische Privatschule mit akzentuierter Leistungsorientierung, (3) über eine öffentliche Halbtagsschule, die nicht zuletzt aufgrund der dort wirkenden Lehrerpersönlichkeit gewählt wurde, bis hin (4) zu einer privaten Waldorfschule, in der individuelle Betreuung und vegetarische Küche auf der Tagesordnung stehen.

Wenngleich diese Vierteilung der Schullandschaft (angesichts eines Angebots von mehr als 270 Volksschulen in Wien) etwas aufgesetzt anmutet, kann man dadurch die Breite des zur Wahl stehende Schulspektrums erahnen. Außerdem wird deutlich, wie unterschiedlich die Prioritäten sein können, die Eltern bei der Auswahl der Volksschule setzen. Es überrascht somit nicht, wenn diese Wahl als durchaus schwierig charakterisiert wird (zumindest im städtischen Bereich). Im Artikel klingt überdies an, wie viel Zeit und Kopfzerbrechen diese Entscheidung immer mehr Eltern kostet.

Letzteres treibt mich wiederum an: Indem ich meine Kenntnisse der Wiener Schullandschaft sowie mein Wissen über Schule, Lehren und Lernen unterstützend einbringe, kann ich Eltern diese Entscheidung erleichtern, ihnen Zeit und Kopfzerbrechen ersparen. Ich erarbeite mit ihnen ihre Prioritäten und helfe ihnen, ausgehend von ihrer Wohnadresse eine Vorauswahl zu treffen: ihre Suche auf (zumeist) drei Schulstandorte einzugrenzen, die ihren Prioritäten möglichst weitgehend gerecht werden. Ergänzend gebe ich den Eltern Tipps, worauf sie bei der Besichtigung der Schulen achten sollten und wie sie am ehesten einen Platz an der Schule ihrer Wahl bekommen.

Übrigens: Im Zuge der Beratung geht es häufig darum, einen Kompromiss zwischen pragmatischen, inhaltlichen und pädagogischen Überlegungen zu finden – und manchmal auch darum, die Vorstellungen der beiden Elternteile einander anzunähern. Man bewegt sich somit eher in den Zwischenräumen der oberhalb angesprochen Stereotypen "leistungsorientierte katholische Privatschule" vs. "Waldorfschule".

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Nationaler Bildungsbericht Österreich 2015

Ende Mai wurde vom BIFIE der „Nationale Bildungsbericht Österreich 2015“ vorgelegt. Auf der Grundlage von umfangreichen Datenmaterial wurden die österreichische Schullandschaft analysiert und Vorschläge zur Umgestaltung formuliert. Hier einige der Ergebnisse - kommentiert:

* Mehr Ressourcen für Schulen benachteiligter Kinder (Stichwort: Sozialindex)

Wenn Kinder einer der drei sozioökonomischen Risikogruppen – nichtdeutsche Alltagssprache; bildungsferner Haushalt; niedriger Berufsstatus der Eltern – angehören, sind sie in der österreichischen Schullandschaft in aller Regel nicht gut aufgehoben. Im Gegenteil: Dadurch dass sie sich zumeist in „denselben“ Schulen – sogenannten Brennpunktschulen – wiederfinden, werden ihre Aussichten auf eine erfolgreiche Bildungskarriere noch geringer. Im Bildungsbericht wird angeregt, dass diese Schulen mehr Mittel zugeteilt bekommen, um durch vermehrte Förderung etc. entgegenwirken zu können.

Gut so! Allerdings darf das nicht zu einer Reduktion der Mitteln an anderen Schulen führen. Es geht vielmehr darum, dass in Summe mehr Mittel für die Arbeit in den Schulen zur Verfügung stehen.

* Innerhalb der Schulen soll der Zufall über die Zusammensetzung der Klassen entscheiden.

Die Konzentration von Risikoschüler/innen in (Brennpunkt)Schulen nimmt in Ballungsräumen wie Wien besonders drastische Formen an und ist die Konsequenz jahrzehntelanger Versäumnisse - vor allem auch in der Wohnbaupolitik und Stadtentwicklung. Einzelschulen können hier nur ansatzweise gegensteuern. Derzeit gelingt es manchen dieser Schulen auch für andere Schüler-/Elternschichten attraktiv zu bleiben, indem sie Angebote vorhalten, die speziell auf diese zugeschnitten sind: an Reformpädagogik orientierte Mehrstufenklassen, bilinguale Klassen etc. Die Forderung, dass diese Schulen zumindest bei der Zusammensetzung ihrer Klassen nach dem Zufallsprinzip vorgehen, halte ich für kontraproduktiv. Wenn der Zufall und nicht das Interesse entscheidet, wird diese Klientel eher auf andere Schulen ausweichen.

* Umgang mit Vielfalt & Heterogenität als pädagogische Kernkompetenz

Im Bericht wird an vielen Stellen der Umgang mit Vielfalt und Heterogenität als die pädagogische Herausforderung der Gegenwart beschrieben. Es wird eine Abkehr von der Idee der Sortierung der Schüler/innen in Jahrgangsklassen und nach Leistungsvermögen gefordert. Es gelte, Abschied vom Selektionsgedanken (zur Homogenisierung der Unterrichtsvoraussetzungen auf Seiten der Schüler/innen) zu nehmen und die unhintergehbare Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Schüler/innen anzuerkennen – und ihr pädagogisch angemessen zu begegnen: mit jahrgangsübergreifenden Klassenverbänden, differenzierenden Unterrichtsangeboten, individueller Förderung und aussagekräftigen Rückmeldungen über den individuellen Lernfortschritt (anstatt einer primär an Klassifikation & Auslese orientierten Benotung).

Fragt sich nur, welche bildungspolitisch wirksame Kraft diesen pädgagogischen Paradigmenwechsel vorantreiben wird.

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Die Ausnahmen der Regel

Anfang April wurden die Ergebnisse der vom Bundesinstitut Bifie durchgeführten Überprüfung der Bildungsstandards der 4. Schulstufe im Kompetenzbereich Deutsch (Deutsch/Lesen/Schreiben) präsentiert. Während die zuständige Ministerin anhand der Ergebnisse bestätigt sah, dass das österreichische Bildungswesen sehr gut funktioniert, ging tags darauf ein Aufschrei durchs Land. Wieder einmal wurde der Untergang des Bildungsstandorts Österreich ausgerufen. Und dies – obwohl die beteiligten Forscher/innen bereits bei der Präsentation darauf hinwiesen, dass die Ergebnisse besorgniserregender erscheinen mögen, als sie es tatsächlich sind.

Was war passiert? Wie konnte es zu derart gegensätzlichen Einschätzungen kommen? War dies einzig unterschiedlichen Interessen bzw. mehr oder weniger unlauteren Motiven geschuldet? NEIN. Der Aufschrei wurde durch ein Missverständnis befeuert, das trotz aller Warnungen in der Methode bzw. Ergebnisaufbereitung angelegt ist. Aussagen wie „Im Kompetenzbereich Lesen haben österreichweit 25 Prozent der Schüler/innen die Ziele nur teilweise erreicht und 13 Prozent nicht erreicht.“ können einem schon einen Schauer über den Rücken jagen. Wie können die beteiligten Forscher/innen angesichts dessen sagen, dass das nicht so besorgniserregend ist, wie es klingt?

Das können sie deshalb, weil sie wissen, dass die Ziele im Sinne von Regelstandards und nicht von Mindeststandards definiert sind. D.h. die Ziele sind nicht so formuliert, dass sie eigentlich alle Schüler/innen erreichen müssten. Die Messlatte wurde von vornherein nicht so hoch gelegt, dass alle Schüler/innen mit einem vertretbaren Aufwand auch drüber kommen sollten. Wäre dies der Fall, dann wären die obigen Ergebnisse tatsächlich ein Desaster. Die österreichischen Bildungsstandards definieren jedoch, was Schüler/innen in der Regel können sollten. Sie sind so konzipiert, dass ein gewisser Prozentsatz diese Ziele nur teilweise erreichen und ein weiterer Teil nicht erreichen wird. Hätten alle Schüler/innen die Standards erreicht, wären sie im Sinne von Regelstandards unbrauchbar und hätten ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllt, nämlich Veränderungen im Laufe der Jahre sichtbar und die Leistungen der einzelner Schulstandorte etc. vergleichbar zu machen. Dass ein Viertel der Schüler/innen die Regelstandards nicht zur Gänze erreicht und halb so viele die Regelstandards nicht erreichen, ist in dieser Hinsicht weder überraschend noch besorgniserregend.

Wirkliche Freude mag bei den Ergebnissen trotz alledem nicht aufkommen. Dass Bildungserfolg in Österreich in sehr starkem Maße vererbt wird, hat sich erneut bestätigt. Laut Berechnung des Bifie haben Kinder von Akademiker/innen gegenüber Kinder von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss in der 4. Schulstufe hinsichtlich ihrer Lesekompetenzen einen Vorsprung von etwa drei Lernjahren. Klingt nach unlauterem Wettbewerb!?

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Schulnoten - Hoffnungen & Mythen

In den letzten Tagen stand das Thema Noten im Mittelpunkt der medialen Schuldebatte. Anlass hierfür war ein Entwurf des SPÖ-geführten Bildungsministeriums zum Schulrechtspaket, der dem Koalitionspartner ÖVP übermittelt - und auch diversen Medien zugespielt - wurde. (Mir liegt dieser leider nicht vor!) Offenbar sollen hinkünftig in den ersten drei Jahren der Volksschule schriftliche Semester- bzw. Jahresinformationen und Bewertungsgespräche Ziffernnoten ersetzen - und das Wiederholen dieser Klassen der Vergangenheit angehören.

Die Empörung über diesen Vorstoß ließ nicht lange auf sich warten. Dadurch ginge die Vergleichbarkeit der Leistungen sowie die Leistungsorientierung in der Volksschule überhaupt verloren, würde einer Kuschelpädagogik Vorschub geleistet, wäre ein Unterricht beinah unmöglich und der Bildungsstandort Österreich gefährdet etc. (Vielleicht etwas überzeichnet?)

Gleichgültig auf welche Seite Sie sich schlagen, halten Sie erst einmal inne. DENN: Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es kaum einen Aspekt rund um Schulnoten, der noch nicht (und größtenteils bereits seit Jahrzehnten) völlig ausgeleuchtet ist. Auf der Grundlage dessen lassen sich einige Mythen und falsche Hoffnungen als solche kenntlich machen.

Ohne Noten wird nicht gelernt!

Jenseits der Schule lernen Heranwachsende und Erwachsene in aller Regel bewusst und unbewusst, aus eigenem Interesse oder angeregt durch andere, gezielt oder nebenbei - ohne dafür Noten zu erhalten. Vergleichsstudien (PISA etc.) haben überdies gezeigt, dass es Schulsysteme gibt, die die ersten 8 Schuljahre auf Ziffernnoten verzichten und sich "trotzdem" mit unserem mehr als messen können. (Um es mal freundlich auszudrücken.)

Sind Noten in der Schule jedoch etabliert, sind sie offenbar der Dreh- und Angelpunkt der schulischen Lernanstrengungen. Noten nötigen zum Lernen. Durch zahlreiche Studien ist belegt: Am meisten wird in jenen Fächern gelernt, in denen die Schüler/innen die schlechtesten Noten haben. Wir wissen warum. Leider stimmt aber auch die Umkehrung dessen. Dort, wo am meisten gelernt wird, erhalten die Schüler/innen ihre schlechtesten Noten. Merkwürdig? Es macht deutlich, dass es in der Schule primär darum geht, sich an den eigenen Schwächen abzuarbeiten, Fehler vermeiden zu lernen.

Noten geben Rückmeldung über das Wissen und Können!

Wird unterschiedlichen Lehrer/innen ein und dieselbe Schularbeit zur Beurteilung vorgelegt, so wird sie in aller Regel unterschiedlich beurteilt. Oftmals untersucht, zeigt sich stets das gleiche Ergebnis - übrigens relativ gleichgültig um welches Unterrichtsfach es sich handelt. Die Noten streuen nicht nur zwischen zwei Notengraden, sondern zumeist wird das gesamte Notenspektrum ausgeschöpft. Wie schwer Fehler im Gesamtkontext der Schularbeit wiegen, ist keine ausgemachte Sache, sondern höchst subjektiv. Noten geben somit nicht Rückmeldung darüber, wie gut oder schlecht ein/e Schüler/in eine bestimmte Sache beherrscht, sondern wie gut oder schlecht sie eine bestimmte Sache in der Einschätzung einer bestimmten Lehrer/in beherrscht. Das ist ein großer Unterschied. Noten suggerieren Objektivität, wo keine ist.

Noten machen Leistungen vergleichbar!

Allerdings ist der Vergleichsraum recht bescheiden: nämlich die jeweilige Schulklasse. Das einzige, was Noten halbwegs verlässlich zum Ausdruck bringen, ist, welche Schüler/innen im Vergleich zu ihren Mitschüler/innen in der betreffenden Schulklasse bessere oder schlechtere Leistungen abliefern. Insofern, aber auch nur insoweit, können Noten Orientierung geben. Es lassen sich jedoch so gut wie keine Relationen zu Schüler/innen andere Schulklassen herstellen. Dieselbe Leistung in einer anderen Klasse kann dort zu derselben Note führen, zu einer besseren, aber auch zu einer schlechteren - je nachdem wie sich die Leistung in das Leistungsspektrum dieser Klasse einfügt (selbst wenn dieselbe Lehrer/in beurteilt). Klingt ungerecht!? Ist es auch!

Eine Klassenwiederholung (Sitzenbleiben) hilft, Versäumtes nachzuholen und sich zu verbessern!

Ein derartiger Effekt ist sehr selten. Dauernde Misserfolgserlebnisse, die einer Klassenwiederholung in aller Regel vorangehen, führen ungleich häufiger zu einer sehr änderungsresistenten Selbsteinschätzung. Die Betroffenen integrieren die wiederkehrend negativen Beurteilungen in ihr Selbstbild und arrangieren sich so offenbar mit ihrem vermeintlichen (Schul)Schicksal.

Verbale Beurteilungen sind aussagekräftiger als Ziffernnoten!

Solange Lehrer/innen jederzeit in der Lage sein müssen, ihre verbale Beurteilung auf Anfrage in Ziffernnoten übersetzen zu können, laufen die verbalen Beurteilungen Gefahr, zu Stehsätzen und Standardformulierungen zu verkommen. Damit werden sie jedoch nicht dem Anspruch gerecht, eine inhaltlich detaillierte, den Leistungen entsprechend differenzierte Rückmeldung zu geben. Schulleistungen mit Ziffernnoten zu beurteilen, und eine differenzierte und detaillierte Rückmeldung zu geben, sind gegensätzliche Denkbewegungen. Abstrahieren und Differenzieren zugleich, damit wird in aller Regel der Bogen überspannt.

Mit Abschaffung der Ziffernnoten wird alles anders!

Die Hoffnungen oder Befürchtungen, die offensichtlich mit der Abschaffung der Ziffernnoten für die ersten drei Schuljahre einhergehen, sind überzogen. Ziffernnoten sind in Österreich in den ersten beiden Schuljahren mittlerweile eher die Ausnahme als die Regel. Dass mit einem zusätzlichen, Ziffernnoten freiem Schuljahr ein Ruck durch die Schullandschaft gehen sollte, ist mehr als unwahrscheinlich. Die Schule ist eine über Jahrhunderte etablierte Institution, die nur durch einen multidimensionalen Ansatz flächendeckend und nachhaltig verändert werden kann. Zur Freude der Bewahrer/innen, zum Leidwesen der Reformer/innen.

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Private Kindergärten und Schulen abschaffen?

Am 10. Jänner 2016 erschien im Online-Standard ein Interview mir der Migrations- & Bildungsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger, in dem sie die Abschaffung privater Kindergärten und Schulen fordert. (nachzulesen HIER). Ihre Agrumente zusammengefasst: Erst dann, wenn diese Einrichtungen zur Gänze in öffentlicher Hand wären, könnten sie durchgängig ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden, nämlich Kinder und Jugendliche in die demokratische, republikanische und wohlfahrtsstaatliche Gesellschaft zu integrieren. Private Kindergärten und Schulen schaffen dagegen mehr oder weniger elitäre Parallelwelten. Sie fördern auf diesem Wege nicht den Zusammenhalt einer Gesellschaft, sondern wirken trennend und abschottend. 

Angesichts der stetig zunehmenden Diversifizierung des Bildungsbereichs überrascht die Forderung nach "Alles zurück in die öffentliche Hand". Die Motive scheinen redlich, die Forderung nicht prinzipiell abstrus. Allerdings wenn ich lese, wie diese Reorganisation des Bildungsbereichs vonstattengehen soll, gewinnt meine Irritation wieder Überhand: "Dort, wo es möglich ist, würden die Einrichtungen von der öffentlichen Hand übernommen, und wo dies nicht möglich ist, muss man sich überlegen, wie die Schülerinnen und Schüler auf die öffentlichen Einrichtungen in der Nachbarschaft aufgeteilt werden können." Die Betroffenen werden hier wie Spielfiguren hin- und hergeschoben, von Mitsprachrecht und Überzeugungsarbeit keine Spur. Sie lässt jegliche Skepsis gegenüber einer "Zentralisierung" von Bildungsentscheidungen und Bildungsbiographien vermissen.

Dass viele private Bildungseinrichtungen möglicherweise aus einer nachvollziehbaren Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Bildungsangebot ihre Daseinsberechtigung ziehen, bleibt außen vor. Dass viele private Bildungseinrichtungen mit dem Anspruch auftreten, es besser zu machen, hat keinen Platz. Über Qualitätsfragen wird hier nicht diskutiert. Vielen Betroffenen fehlt jedoch - mitunter aufgrund jahrelanger leidvoller Erfahrung - der Glaube, dass Schule und Kindergarten besser wird, wenn die öffentliche Hand ihre Finger im Spiel hat. In Zeiten der (gefühlten) permanenten Kürzung von Bildungsbudgets und daraus resultierenden Einsparungen bei Lehrerressourcen etc. wird die Forderung nach einer Verstaatlichung aller privaten Bildungseinrichtung möglicherweise mehr zu einer Drohung, denn einem Heilsversprechen.

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So eine Qual ist es auch wieder nicht!

Im Kurier erschien vergangene Woche ein Dossier zum Thema Schule in fünf Teilen (1.1-1.5) Im Teil 1.3 findet sich eine Seite zur Schulauswahl mit einem Interview von mir unter dem Titel "Die Qual der Schulwahl". Das Bild, das dem Artikel voransteht, erweckt den Eindruck von Ausweglosigkeit. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. ;-)

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Mobbing / Bullying als Normalfall

Wieder macht eine Erhebung deutlich, dass Mobbing an Schulen (= Bullying) eine alltägliche Erfahrung für Schüler/innen in Österreich ist. (nachzulesen HIER) Jede zweite Schüler/in gibt an, bereits zumindest einmal selbst gemobbt worden zu sein. Dass Schule keinesfalls zufällig zu einem Ort wird, an dem Gewalt gegenüber Gleichaltrigen ausgelebt wird, wird in dem angeführten Kurierartikel deutlich. Es wird eine Psychologin (die u.a. als Anlaufstelle für Mobbing-Opfern an Schulen fungiert) mit den Worten zitiert: "Ständig seine Schwächen erklärt zu bekommen plus Leistungsdruck fördere Aggression." Ein derartiges Schulklima ist der Nährboden für die an Österreichs Schulen gängige Mobbing-Kultur! Damit wird ein weiteres Mal deutlich, dass Schulen gezielt gegensteuern müssen. Dabei reicht es offensichtlich nicht, punktuelle Initiativen zu setzen, sondern Schule muss zu einem attrakiven Lebensraum werden, in dem sich die Schüler/innen gerne aufhalten, entfalten können & wollen - und nicht ein Ort, an dem sie in die Enge getrieben werden. Immer mehr Schulen versuchen, ein Klima des Zwanges und der Angst hinter sich zu lassen. Allerdings ist es offenbar noch ein weiter Weg, bis dies zum Normalfall wird.

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Kontroverse Hausübungen

Ende Juni 2015 wurde eine „Änderung der Verordnung der Lehrpläne der allgemeinbildenden höheren Schulen“ erlassen (BGBl. II Nr. 175/2015). Darin wurde u.a. festgeschrieben, dass Hausübungen so zu dimensionieren sind, dass sie an ganztägigen Schulen im Rahmen der an der Schule betreuten, individuellen Lernzeit erledigt werden können. (In der Regel 4 Stunden pro Woche) Die Intention des Gesetzgebers ist offensichtlich: Schüler/innen, die eine ganztägige Schulform besuchen, sollen ihr tägliches Lern-/Arbeitspensum in der Schule absolvieren. Die soll nicht zuletzt auch deren Eltern entlasten.

Wie diversen Printmedien zu entnehmen, zeigte sich die Lehrergewerkschaft not amused. Kritisiert wird, dass diese Regelung nicht praktikabel ist. Wer solle denn als Maßstab für die Dimensionierung gelten: die guten, die mittelmäßigen oder die schlechten Schüler/innen? Dieser Reflex legt nahe, dass individualisierte, d. h. auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der einzelnen Schüler/innen abgestimmte Hausübungen, in AHS offenbar nach wie vor kaum denkmöglich sind. Wie denn auch? Die Schüler/innen werden am Ende ja auch an denselben Prüfungsaufgaben gemessen!?

Diese Replik überrascht somit nicht wirklich, sehr wohl jedoch, dass ihr das zuständige Ministerium nicht folgen kann (siehe beispielsweise HIER).

Diese Kontroverse verweist auf einen Themenkomplex, der für die Schulwahl durchaus von Bedeutung sein kann. Welcher der folgenden Aussagen würden Sie eher zustimmen?

□ Ich lehne Hausübungen überhaupt ab.

□ Alle Schüler/innen einer Klasse sollen dieselben Hausübungen bekommen, auch wenn dies bedeutet, dass manche zwei- oder dreimal so viel Zeit für die Erledigung der Hausübungen aufwenden müssen als andere (und somit eventuell mehrere Stunden pro Tag für die Hausübungen aufwenden müssen)?

□ Jede Schülerin / Jeder Schüler sollte nach Möglichkeit auf ihre/seine individuellen Erfordernisse, Bedürfnisse und Fähigkeiten abgestimmte Hausaufgaben bekommen. Sie sollten nicht mehr als eine Stunde pro Tag in Anspruch nehmen.

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Erster Schulscout in Wien

Am 27. April 2015 erschien im Online-Standard ein Artikel über mein Unterstützungsangebot. (nachzulesen HIER) Es wurde auf diesem Wege einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ich wurde in diesem Artikel als "Schulscout" tituliert. Eine Bezeichnung die in weiterer Folge aufgegriffen wurde: Am 7. Mai wurde ich in der Sendung "ORF Heute Mittag" als Schulscout vorgestellt und zum Thema Schulwahl live befragt. Eine interessante Erfahrung!

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"Schule im Aufbruch"-Tag 2015

Am 24. April 2015 fand in den Räumlickeiten der Wirtschaftskammmer Österreich in Wieden der "Schule im Aufbruch"-Tag statt.

Interessierte aus ganz Österreich trafen zusammen, um sich über ihre Aktivitäten für eine Schule der Potentialentfaltung auszutauschen. Den Großteil, der rund 100 Teilnehmer/innen bildeten Lehrer/innen, die für eine neue Lernkultur an Österreichs Schulen eintreten und diese an ihren Schulen leben. Unter dem Dach der Initiative "Schule im Aufbruch" haben sie eine Plattform gefunden, die ihre Arbeit würdigt und anregt. Inspiriert durch Impulsvorträge von Lehrer/innen der Berliner Modellschule ESBZ (Gründerin Margret Rasfeld) fand ein intensiver Austausch unter den Teilnehmer/innen statt. Kontakte wurden ausgetauscht, "Netzwerke geknüpft". Die Tagung machte überdies deutlich, dass der Funke des Aufbruchs auch unter Eltern und Studierende immer mehr Platz greift. Und trotz aller Mühen und Hürden gab es nur ein Motto: WEITER SO - die Anstrengung lohnt sich!

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Mehr Schulautonomie!?

„Mehr Schulautonomie“ scheint der kleinste gemeinsame Nenner aller Positionspapiere zu Schulfragen. Die Vertreter/innen beinah aller Interessensgruppen springen auf einen Zug auf, der längst unterwegs ist. Schulen bzw. Direktor/innen sollen von überflüssigen Zwängen befreit werden, mehr Gestaltungsspielräume erhalten. Sie sollen mehr inhaltliche Schwerpunkte setzen können, sich ihre Lehrer/innen selbst aussuchen können etc.

(1) Betrachtet man die Wiener Schullandschaft, so zeigt sich, dass erfolgreiche Schulentwicklung von innovativen Kräften innerhalb der Schule ihren Ausgang nimmt. Diese Vordenker/innen waren aufgrund mangelnder Gestaltungsmöglichkeiten über Jahrzehnte dazu genötigt, ihre Veränderungsideen als Schulversuche zu verpacken - eine beinah unüberschaubare Fülle an Schulversuchen war die Folge. Wenn mehr Schulautonomie bedeutet, dass der Gestaltungsspielraum für innovative Kräfte innerhalb der Schulen vergrößert wird, ist sie sicher begrüßenswert.

(2) Mehr Schulautonomie bedeutet jedenfalls größere Unterschiede zwischen den Schulen. Den Schulen mehr Autonomie zu geben, muss damit einhergehen, den Erziehungsberechtigten und Heranwachsenden mehr Wahlmöglichkeiten einzuräumen. Die Wahlmöglichkeiten auf den Wohnbezirk einzuschränken, wird auf Dauer nicht mehr aufrechtzuerhalten sein. Bis dato hat die Stadt Wien für dieses Problem keine Lösung. Der Problemdruck wird mit zunehmender Schulautonomie steigen!

(3) Die Politik gibt mit vermehrter Autonomie das Steuer jedoch nicht aus der Hand, sie will vielmehr an anderen Schrauben drehen. Die Nutzung der gewährten Gestaltungsspielräume wird sich künftig an der Erreichung bzw. Überbietung der Bildungsstandards zu messen haben. Wie gut ihre Schüler/innen bei diversen Leistungsüberprüfungen abschneiden, wird infolge von mehr Schulautonomie über kurz oder lang öffentlich gemacht werden (müssen). Das ist dieser Steuerungslogik zufolge eine Notwendigkeit. Der „Output“ soll gesteigert werden, indem ein Wettbewerb zwischen den Schulen entfacht wird. Es wird sich weisen, ob die Einengung auf möglichst gute Testergebnisse viele Schulinnovationen zu ersticken droht.

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In "unserer" Schule spricht man Deutsch!

Wenn man den Zeitungsberichten Glauben schenken darf, gibt es in der Mödlinger Vienna Buisness School einen Konflikt zwischen Schüler/innen und Reinigungspersonal. Dabei treffen offenbar Vertreter/innen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften aufeinander. Um diesen und andere „interkulturelle Konflikte“ hinkünftig zu vermeiden, wurde seitens der Schulleitung ein Fremdsprachenverbot ausgesprochen (jenseits des Fremdsprachenunterrichts - of course). Dass man ein Fremdsprachenverbot in einer Schule ausspricht, die sich schon im Namen einen internationalen Flair verleiht, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Allerdings ist diese Intervention zur Konfliktvermeidung wohl eher zum Weinen.

Das Fremdsprachenverbot zeigt musterbeispielhaft, wie in vielen Schulen das Miteinander geregelt wird. Es wird ein Katalog an erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen inklusive zu erwartender Sanktionen bei Zuwiderhandeln formuliert. Das, was man früher als Hausordnung bezeichnet hat, wird dann jedoch als „Verhaltensvereinbarung“ Schüler/innen und Erziehungsberechtigten zur Unterschrift vorgelegt. Dass sich bei einer Vereinbarung die Betroffenen an einen Tisch setzen und gemeinsam aushandeln, wozu sie sich verpflichten, wird dabei schlichtweg ignoriert.

Das Fremdsprachverbot ist - wie die meisten Verhaltensvereinbarungen, die zu Schulbeginn auf eine Unterschrift warten - ein Diktat. Damit wird eine weiteres Mal zum Ausdruck gebracht, dass Eltern, Schüler/innen und Reinigungspersonal etc. in diesen Schulen „nicht(s) mitzureden haben“ – in welcher Sprache auch immer!

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Filmvorführung "Tableau Noir" & Diskussion

Am Sonntag, den 8. März, wurde im Filmcasino der Dokumentarfilm "Tableau Noir" gezeigt. Im Anschluss wurde unter anderem mit einem der Protagonisten des Films, dem mittlerweile pensionierten Lehrer Gilbert Hirschi, über den Film sowie über die "Zukunft der Schule" diskutiert.

Der Film dokumentiert das letzte Jahr einer kleinen Schule in den Schweizer Bergen, in der rund zwölf 6- bis 12-jährige Schüler/innen gemeinsam unterrichtet wurden. Es war eine öffentliche Schule, der aufgrund ihrer Abgeschiedenheit nur wenige Schüler/innen zur Verfügung standen und die deshalb auf pädagogische Ansätze wie Mehrstufenklasse, gegenseitiges Unterrichten etc. setzen musste bzw. konnte. Yves Yersin, ein über die Grenzen bekannter Schweizer Regisseur und Produzent, begleitete Lehrer und Kinder insgesamt 21 Monate (vier Tage die Woche). 13 Monate lang wurde mit zwei Kameras der Schulalltag gefilmt.

Die Kamera bewegt sich zumeist auf Augenhöhe der Kinder und gewährt dadurch einen tiefen Einblick in ihre Freuden, Mühen und - selten, aber doch - Leiden. Tableau Noir ist nicht zuletzt deshalb ein höchst sehenswerter (Dokumentar)Film zum Thema Schule. Der Film verführt die Kinobesucher mit berührenden, aber auch witzigen Schulszenen. Man wird in Kürze ein Fan der Schule, des Lehrers, der Schüler/innen. Er lässt die Kinobesucher/innen aber auch ratlos zurück: Warum wird ein solches "Schuljuwel" geschlossen?

Die anschließende Diskussion war leider nicht sehr ergiebig. Das lag weniger an den Diskutant/innen als an der Fragestellung: der Bogen von einer kleinen Schule in den Schweizer Bergen zur "Zukunft der Schule (in Wien)" war schnell überspannt. Allerdings erfuhr man ansatzweise, warum die Schule geschlossen (und acht Monate später eine neue im Ort eröffnet wurde). Es waren nicht zuletzt die Dreharbeiten in der Schule, die Neid und Missgunst in Teilen der Gemeinde schürten. Auch das gehört offenbar zum Leben auf dem Lande.

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