Bildungswege in Wien

Zumindest drei Auswahlprozesse

In Österreich gilt eine neunjährige Unterrichtspflicht. Infolgedessen müssen im Zuge einer Schullaufbahn in der Regel zumindest drei Schulwahlentscheidungen getroffen werden. Zu Beginn muss eine Volksschule (1. bis 4. Schulstufe) ausgewählt werden. Danach muss entschieden werden, welche Schule nach der Volksschule besucht wird (4. bis 8. Schulstufe). In Wien stehen hierfür drei Schultypen zu Wahl: Neue Mittelschulen (NMS), Wiener Mittelschulen (WMS) sowie Allgemeinbildende Höhere Schulen (AHS).

Schließlich muss entschieden werden, wo das letzte Jahr der Schulpflicht (9. Schulstufe) absolviert wird bzw. ob und wo die Schullaufbahn an einer weiterführenden Schule über das gesetzliche vorgeschriebene Mindestmaß verlängert wird. Je nachdem vor welcher Entscheidung Sie stehen, werden andere Überlegungen entscheidungsleitend sein. In der Folge werden zentrale Unterschiede eingehender beschrieben.

Schulen der 1. bis 4. Schulstufe

Zu Beginn der Schullaufbahn steht die Frage, welche Volksschule besucht werden soll. Wenngleich Sie sich auf der Primarstufe (1. bis 4. Schulstufe) nicht zwischen unterschiedlichen Schularten entscheiden müssen, macht ein Vergleich der Volksschulen deutlich, dass die Wahl keineswegs einerlei ist. Volksschulen unterscheiden sich beispielsweise in der Betreuungsform (Halbtagsschule, Ganztagesschule etc.) & den Betreuungszeiten (z.B. Frühbetreuung ab 7.00 Uhr), in der Trägerschaft (öffentliche vs. private), in der vorhandenen Infrastruktur (z.B. Grün- und Sportanlagen), in unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten (z.B. “Bewegte Klasse”) und nicht zuletzt im täglichen gelebten Verständnis von Lernen & Lehren.

Knapp jede 4. Volksschule in Wien ist eine Privatschule. Privatschulen können auch als Statutschulen geführt werden. Diese weichen in Teilbereichen (Schulorganisation, Lehrplangestaltung, etc.) ab und haben zum Teil kein Öffentlichkeitsrecht. Das heißt, dass deren Schüler:innen am Ende des Schuljahres mittels Prüfung an einer öffentlichen Schule ihren Lernerfolg nachweisen müssen und jedenfalls eine Aufnahmeprüfung beim Übertritt in eine AHS absolvieren müssen.

Die Besonderheit bei der Auswahl einer Volksschule ist, dass Sie hier zumeist nicht nur eine Schule auszuwählen haben. Häufig werden in einer Schule Klassen mit sehr unterschiedlichen pädagogischen Konzepten (z.B. Montessori-Klasse) und in unterschiedlichen Organisationsformen (Jahrgangsklassen, Mehrstufenklassen, Integrationsklassen etc.) geführt – und diese bieten auch andere Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten für die Kinder. Da in Volksschulen in der Regel ein:e Lehrer:in die (primäre) Betreuungs- und Bezugsperson für die gesamte Volksschulzeit ist, ihre pädagogischen Interventionen also die Schulzeit prägen, kann die Wahl der Lehrer:in – sofern eine solche überhaupt direkt möglich ist – von großer Tragweite sein.

Deshalb sind Sie gerade im Falle der Auswahl der Volksschule gut beraten, im Vorfeld sowie im Zuge etwaiger Schulbesuche auszuloten, welche Klassen & Lehrer:innen zur Wahl stehen, und Ihre Präferenzen (sofern Sie solche haben) bei der Schuleinschreibung deutlich zu machen. Die Herausforderung ist, sich im Zuge der zumeist spärlichen Gelegenheiten einen Einblick verschaffen zu können. Im Rahmen meines Unterstützungsangebotes kann ich Ihnen dabei zur Seite stehen.

Schulen der 5. bis 8. Schulstufe

Nach der Volksschule stehen in Wien auf der Sekundarstufe I (5. bis 8. Schulstufe) drei Schularten zur Wahl:
Mittelschulen (MS), Wiener Mittelschulen (WMS) und Allgemeinbildende Höhere Schulen (AHS)
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Während knapp jede 5. Mittelschule eine Privatschule ist , ist im Falle der AHS und WMS ca. jede 4. eine Privatschule.

(Wiener) Mittelschulen und Allgemeinbildende Höhere Schulen (AHS) haben vergleichbare Lehrpläne aber unterschiedliche (gesetzlich geregelte) Aufträge: Mittelschulen sollen die Schüler:innen je nach Interesse, Neigung und Fähigkeit für den Übertritt in mittlere und höhere Schulen befähigen und auf das Berufsleben vorbereiten. AHS sollen den Schüler:innen eine umfassende Allgemeinbildung vermitteln und damit die Voraussetzung für ein Hochschulstudium schaffen.

Während es für Mittelschulen keine Zugangsvoraussetzungen gibt, können nur jene Schüler:innen eine AHS besuchen, denen eine AHS-Reife bestätigt wird. Diese erlangen sie, wenn sie in Deutsch und Mathematik nur mit “Sehr gut” oder “Gut” im Abschlusszeugnis der 4. Klasse Volksschule beurteilt werden, oder wenn trotz eines “Befriedigend” die AHS-Reife von der Volksschule bestätigt wird. Ist auch letzteres nicht der Fall, kann an einer AHS eine Aufnahmeprüfung beantragt werden.

Der Besuch einer Mittelschule schließt eine Bildungskarriere bis zum Hochschulstudium keineswegs aus – eine solche stellt jedoch eher die Ausnahme dar. Wiener Mittelschulen (WMS) versuchen (nicht zuletzt deshalb) den Brückenschlag zwischen Mittelschule und AHS. Sie versuchen, eine frühe Selektion der Schüler:innen zu vermeiden. Durch vermehrte individuelle Förder- und Unterstützungsangebote soll möglichst vielen Schüler:innen der Übertritt in alle weiterführenden (ggf. höheren) Schulen erleichtert werden. Derzeit gibt es 28 Wiener Mittelschulen in Wien. Davon 7 an Standorten mit AHS-Oberstufe. Formal gibt es keine Zugangsvoraussetzungen für WMS. WMS mit AHS-Oberstufe nehmen aber zumeist nur rund 20 Prozent an Schüler:innen ohne AHS-Reife auf.

An allen AHS werden die Schüler:innen in der Regel den ersten beiden Schuljahren nach identen Lehrplänen unterrichtet. Erst im dritten Jahr (7. Schulstufe) wird zwischen Gymnasium (Schwerpunkt: Sprachen), Realgymnasium (Schwerpunkte: Mathematik & Naturwissenschaften) und wirtschaftskundlichem Realgymnasium (Schwerpunkte: Wirtschaftskunde, Chemie, Psychologie & Philosophie) differenziert. Darüber hinaus gibt es auch Sonderformen wie Sport- oder Musikklassen. Da nicht alle Angebote an jedem Standort vorhanden sind, ist bereits mit der Auswahl der AHS eine inhaltliche Vorentscheidung  zu treffen.

Im Gegensatz zur AHS unterscheiden sich Mittelschulen von ihrer Schwerpunktsetzung (Musik, Sport, Informatik, soziales Lernen, Projektarbeit & Präsentation, Montessori-Pädagogik etc.) ab dem ersten Jahr.

Privatschulen können auch als Statutschulen geführt werden. Diese weichen in Teilbereichen (Schulorganisation, Lehrplangestaltung, etc.) von den gesetzlichen Regelungen der angeführten Schularten (NMS, WMS, AHS) ab.

Neben den Unterschieden in den Zielsetzungen und der inhaltlichen Schwerpunktsetzung unterscheiden sich Schulen auch im täglich gelebten Verständnis von Lernen & Lehren. Die letztgenannten Unterschiede sind für viele Statutschulen identitätsstiftend und in Mittelschulen größer als in AHS. Nichtsdestotrotz ist es auch im Falle von AHS lohnend, bei der Schulwahl den Fokus auch auf das täglich gelebte Verständnis von Lernen & Lehren zu legen.

In Wien ist die Nachfrage nach AHS-Schulplätzen groß. (siehe Daten & Fakten) Vergleichsstudien machen deutlich, dass die Unterschiede in der Performance der Schüler:innen zwischen Schulen derselben Schulart mitunter größer sind als jene zwischen den Schularten (AHS oder Mittelschule). Auch deshalb sollten Sie der Wahl des Schulstandortes ausreichend Aufmerksamkeit schenken. Die Schulwahl (im Anschluss an die Volksschule) ist nicht auf eine Entscheidung “Mittelschule oder AHS” zu reduzieren.

Im Rahmen meines Unterstützungsangebotes kann ich Ihnen (auch) dabei helfen.

Schulen ab der 9. Schulstufe

Das breiteste Angebot an unterschiedlichen Schularten steht auf der Sekundarstufe II (9. bis 12. bzw. 13. Schulstufe) zur Wahl. Die Jugendlichen haben nach der 8. Schulstufe zu entscheiden, ob sie (weiterhin) eine allgemeinbildende oder aber eine berufsbildende Schullaufbahn anstreben. Entscheiden sie sich für Zweiteres, so können sie dies an Berufsbildenden Mittleren oder Höheren (mit Matura) Schulen  tun. Berufsbildende Schulen werden traditionell in “technische Schulen”, “kaufmännische Schulen”, “humanberufliche Schulen”, “Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik” und “andere” untergliedert. Für jene Jugendliche, die an einer Lehrausbildung interessiert sind, ist der Besuch einer Fachmittelschule (häufig in Neuen Mittelschulen integriert) sowie einer Polytechnischen Schule zum Abschluss der Schulpflicht gängige Optionen. Dort können sie Lehrberufe im Rahmen von dafür vorgesehenen Schnuppertagen intensiver kennenlernen.

Sollten die Jugendlichen unschlüssig sein, welchen Weg sie nach der 8. Schulstufe einschlagen wollen, können sie sich bei der Entscheidungsfindung begleiten lassen. Es gibt eine Vielzahl an Institutionen (WIFI, BFI, AMS etc.) die eine Berufs- und Bildungsberatung unentgeltlich anbieten – und sich dabei auf dieverse Testverfahren stützen. Entscheidungsleitend sollten hier jedenfalls die individuellen Interessen der Heranwachsenden sein, weil Weichenstellungen vorgenommen werden, die für den (ersten) Einstieg ins Berufsleben richtungsweisend sind.

Die Wahl des Schulstandortes sollte sodann davon getragen sein, welche inhaltlichen Schwerpunkte die Schulen setzen und welche individuellen Entfaltungsmöglichkeiten sie bieten. Bei der Unterscheidung der Vorzüge einzelner Schulen und der dahingehenden Schulwahl kann ich Sie unterstützen.